Biologische Vielfalt in der Ammerseeregion

„Die Ammerseeregion ist eine international bedeutsame Region der biologischen Vielfalt . Insbesondere die letzte Eiszeit hat die Voraussetzung für unterschiedlichste Standorte mit vielfältigen Lebensgemeinschaften und hoher Artenvielfalt geschaffen. Besondere Bedeutung haben der See, die Moor- und Feuchtgebiete im Süden und Norden und das Seeholz im Westen des Sees. Sie stehen unter natio-
nalem und internationalem Schutz und zeichnen die Region besonders aus.
Die Entstehungsgeschichte der Region ist eng mit der letzten Eiszeit verbunden. Sie ist „verantwortlich“ für See und Moränenhügel, für weitgereiste Kieselsteine, für Kalktuffquellen, für trockene Hügel und feuchte Senken. Nach der Eiszeit wandelte sich die Landschaft von der baumlosen Tundra über verschiedene von Wildtieren beweidete Waldtypen bis zur vom Menschen geprägten Kulturlandschaft. Das heutige Landschaftsbild ist auf jahrhundertelange bäuerliche Nutzung zurückzuführen, unter der sich die ursprüngliche hohe Artenvielfalt erhalten konnte. Intensivierte Landwirtschaft und wachsende Verkehrs- und Siedlungsflächen führten und führen seit Mitte des 20. Jahrhunderts leider zu einem Schwinden der Arten und einem Wandel des Landschaftsbildes.

Die Vielfalt der Tierwelt ist an arten- und strukturreiche Pflanzengesellschaften gebunden, die wiederum von unterschiedlichen Standortverhältnissen und extensiven Bewirtschaftungsformen abhängen. Millimeter große Wasserflöhe und meterlange Hechte, winzige Miniermotten und ansehnliche Tagfalter, Sommer- und Wintergäste, Durchzügler und Standvögel, Schilf-, Boden- und Höhlenbrüter, Nahrungsspezialisten und Lebensraumspezialisten u.v.m. Die besondere Vielfalt machen Ampermoos, Herrschinger Moos, das Ammerseesüdufer und die Raistingerwiesen zu einem der bedeutendsten Feuchtgebiete in Bayern, Teil des EU-weiten Netzwerkes NATURA 2000. Ein großer Teil im Süden ist schon seit 1979 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier brüten rund 110 verschiedene Vogelarten, darunter gleich mehrere stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte. Zusammen mit den angrenzenden Ortschaften und Moränenhängen kamen offizielle Kartierungen sogar auf 135 Brutvogelarten; soviel wie nirgendwo sonst in Bayern.

Die Sibirische Schwertlilie

(Iris sibirica) ist die auffälligste Blütenpflanze am Ammersee-Südufer. Es gibt nur wenige, die sie nicht kennen und schon mal bewundert haben; ganz anders als die anderen hier vorkommenden Pflanzenarten, mehrere Hundert an der Zahl, darunter auch die zweite heimische Wild-Iris, die Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), oder die gelbe Trollblume (Trollius europaeus).
Die Sibirische Schwertlilie blüht am Ammersee nur rund zwei Wochen, meist in der zweiten Maihälfte, in Jahren mit kühlem Frühjahr auch noch Anfang Juni. Zum Höhepunkt der Blütezeit bilden sich regelrechte blaue Blüten. Die Fruchtkapseln werden im Spätsommer und Herbst dunkelbraun und die Samen reifen. Weil die Streuwiesen traditionell nur ein Mal jährlich im Herbst gemäht werden, finden die Schwertlilien hier einen günstigen Lebensraum. Aber auch viele andere Pflanzen- und Tierarten haben ein Refugium in den Streuwiesen, einem unserer artenreichsten Lebensräume.
Es dürfte deutschlandweit nur mehr wenige Gebiete geben, in denen die Sibirische Schwertlilie so zahlreich vorkommt. Dieser Iris-Bestand gehört zu den größten Naturschätzen am Ammersee. Das gleiche gilt für die weniger bekannten Arten der Auen-Streuwiesen, der Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris) und dem Kanten-Lauch (Allium angulosum), beides (wie die Sibirische Schwertlilie) Arten der Roten Liste. Unser Naturschutzgebiet bewahrt sie alle. Jedoch können sie ohne Pflege der Streuwiesen nicht erhalten werden. Das staatliche geförderte, spät im Jahr statt findende Abmähen der Streuwiesen, durch die Schutzgemeinschaft Ammersee und ortsansässige Landwirte, sollten wir alle wertschätzen.

Schwertlilien